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Malteser in Nordrhein-Westfalen

Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch bei Demenz?

Die Malteser stellten auf ihrem Katholikentagspodium die Frage nach der Würde von Menschen mit Demenz.

26.05.2016
Die Malteser stellten auf ihrem Katholikentagspodium die Frage nach der Würde von Menschen mit Demenz.

„Jeder Mensch mit Demenz ist ein Unikat“, hieß es auf dem von den Maltesern am Katholikentags-Donnerstag, 26. Mai, in Leipzig ausgerichteten Podium „Bis zum letzten Atemzug. Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch bei Demenz?“.

Eingangs hatte der Paderborner Priester und Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg auf die philosophische Tradition – die Würde als das nicht Bewertbare am Menschen (Kant) und als die unverletzte Schönheit der Seele (Platon) – zurückgegriffen, auf das Grundgesetz – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – verwiesen und den christlichen Gott als denjenigen beschrieben, der auch zu jedem demenziell Erkrankten sagt: „Auf dich möchte ich nicht verzichten – bis zum letzten Atemzug“.

Die innere Schönheit sei bei Menschen mit Demenz nicht leicht zu erkennen, griff Gerda Graf, Ehrenvorsitzende des deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, einen Gedanken Schallenbergs auf, könne aber immer wieder in der unverstellten Wahrheit ihrer Äußerungen aufscheinen. Brigitte Heeg, die seit Jahren ihre demenzkranke Mutter begleitet, sagte offen „für uns Angehörige ist Demenz nicht schön“, und schilderte, wie wohltuend Ärzte und Pflegekräfte seien, die Angehörige verstünden und auch mal sagten: „Sie sind so erschöpft, bleiben Sie mal zu Hause, wir kümmern uns um Ihre Mutter“.

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister Ingrid Fischbach MdB schilderte als Anliegen der Politik, das Thema Demenz von Rand ins Zentrum des öffentlichen Bewusstseins zu rücken und nannte als einen der Erfolge, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff neben den körperlichen auch psychische und soziale Defizite einbeziehe.

Mit Fragen nach der Beachtung von Patientenverfügungen bei demenziell Erkrankten und Möglichkeiten, deren körperliche Fixierung und medikamentöse Ruhigstellung zu vermeiden, unterstrichen die gut hundert Veranstaltungsbesucher ihr hohes Interesse an dieser Diskussion. Das gab Moderatorin Dr. Ursula Sottong, Leiterin der Fachstelle Demenz der deutschen Malteser, Gelegenheit, von Erfolgen der Demenzstation im Kölner Malteser Krankenhaus St. Hildegardis zu berichten: Die Behandlung dauere dort nicht länger als bei anderen Patienten, die demenzielle Situation der Patienten verschlechtere sich in der Regel nicht und auf eine Fixierung könne verzichtet werden.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer auch darin, dass gerade bei demenziellen Erkrankungen die Betreuung und Pflege der Angehörigen unverzichtbar sei und stärker in den Blick genommen werden müsse.

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