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Malteser in Nordrhein-Westfalen

Malteser setzen verstärkt auf weibliche Führungskräfte

Drei Frauen als Rettungswachen-Leiterinnen in OWL

12.07.2017
Foto (Buttchereit): Malteser Rettungswachen-Leiterinnen in OWL (v. l. n. r.) Sabrina Bauer, Lage, Cornelia Brune, Augustdorf und Jasmin Oudeman, Gütersloh
Foto (Buttchereit): Malteser Rettungswachen-Leiterinnen in OWL (v. l. n. r.) Sabrina Bauer, Lage, Cornelia Brune, Augustdorf und Jasmin Oudeman, Gütersloh

Wenn Rettungssanitäterin Cornelia Brune von der Rettungswache in Augustdorf mit ihrer Kollegin zum Notfall gerufen wird, gibt es nur noch vereinzelt skeptische Blicke und Fragen, ob die beiden Frauen den Patienten wohl überhaupt tragen können. „Beim Tragen von Patienten kommt es auf die Technik und die eigene körperliche Fitness an. Sollte jemand tatsächlich zu schwer sein, fordern wir die Hilfe der Feuerwehr an – aber das tun unsere männlichen Kollegen auch, allein für die Rückengesundheit“, sagt Cornelia Brune. Die 33-jährige ist seit Anfang 2017 Leiterin der von den Maltesern betriebenen Rettungswache des Kreises Lippe in Augustdorf. Der „Hühnerwagen“, wie sie das Einsatzfahrzeug bei rein weiblicher Besatzung scherzhaft selber nennen, ist in der ländlichen Gemeinde kein seltener Anblick mehr. Weiblicher Charme sei bei emotional aufgeladenen Situationen, wo zum Teil auch Alkohol mit im Spiel ist, sogar hilfreich. So lässt mancher Patient oder auch Angehöriger schneller von einer provozierenden Haltung ab. Trotz des stressigen und manchmal auch seelisch belastenden Berufsalltags ist Rettungssanitäterin für Cornelia Brune ein Traumjob – wenn auch mit Verspätung. Denn direkt nach dem Fachabitur absolvierte sie erst eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete einige Jahre in einem Handelsunternehmen. Der entscheidende Wendepunkt, so Cornelia Brune, waren die Ereignisse bei der Duisburger Loveparade 2010. Ihr Bruder, selber als ehrenamtlicher Sanitäter der Malteser dort vor Ort, berichtete eindringlich von den Rettungsarbeiten. Das hinterlässt bei ihr einen nachhaltigen Eindruck. Nur wenige Tage später startet sie bei den Maltesern in Rheda-Wiedenbrück mit ihren ersten Rettungs-Lehrgang. Fünf Jahre danach kündigt sie ihren Job und steigt hauptamtlich als Rettungssanitäterin bei den Maltesern ein. Und seit einem halben Jahr führt sie ein Team von fünf Kolleginnen und Kollegen als Rettungswachen-Leiterin in Augustdorf. Die Entscheidung für eine weibliche Leitung ist für die Malteser in OWL nicht neu. Bereits seit zweieinhalb Jahren ist in Gütersloh eine Frau erfolgreich Chefin der dortigen Malteser Rettungswache. Jasmin Oudeman (38) meistert als Mutter von drei Kindern zusätzlich den Spagat zwischen verantwortungsvollem Job und Familie. Was bestens gelingt, so der Leiter des Rettungsdienstes der Malteser OWL Christian Osthus: „Die Kolleginnen sind bei allen Mitarbeitern geschätzt und respektiert. Die Akzeptanz kommt nicht von ungefähr: die weiblichen Führungskräfte fordern keine Sonderbehandlung und setzen in allen Bereichen auf Teamarbeit.“ Somit war die Neubesetzung der Wachleitung in Lage im Mai 2017 durch Sabrina Bauer (36) für die Malteser in OWL kein Novum mehr. Entgegen ihrer Wachleiter-Kollegin Cornelia Brune stand für Sabrina Bauer bereits im Kindergartenalter fest, dass der Beruf „was mit Blaulicht“ zu tun haben sollte. Wo andere Mädchen zu Puppen griffen, war der Playmobil-Krankenwagen Sabrina Bauers liebstes Spielzeug. Nach der Schule ging es dann auch sofort zur Feuerwehr, wo sie ein Praktikum machte, um dann 13 Jahre in Rheda-Wiedenbrück an der Feuerwache im Rettungsdienst zu arbeiten. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen wechselte sie 2015 zu den Maltesern und absolvierte als eine der ersten Rettungsassistentinnen die Notfallsanitäter-Weiterbildung. Eine weitere Zusatzqualifikation ist die der Praxisanleiterin. Damit wird sie ab September 2017 in Lage - unterstützt von ihrem 12 –köpfigem Team - eine junge Frau zur Notfallsanitäterin ausbilden. Ein Trend, der sich fortsetzt. Waren es vor 10 Jahren nur neun Prozent, so sind 2017 schon zwanzig Prozent der Malteser Rettungsdienst-Belegschaft in OWL weiblich. Tendenz steigend, denn das vermeintlich schwache Geschlecht hat den spannenden Beruf und auch seine Aufstiegschancen für sich entdeckt.

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