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Malteser in Nordrhein-Westfalen

Behinderungen und Angriffe bei Rettungseinsätzen

Angriffe gegenüber Sanitäts- und Rettungsdienstpersonal sind leider traurige Realität. Hier erhalten Sie Informationen über die Studie "Gewalt gegen Retter - Behinderungen und Angriffe bei Rettungseinsätzen" auf Grundlage von Mitarbeiterbefragungen.


Die Studie

Hier können Sie sich die Studie "Behinderungen und Angriffe bei Rettungseinsätzen" auf Grundlage einer Mitarbeiterbefragung ansehen.


Kooperation mit Krav Maga Defcon

Das Krav Maga Defcon Deeskalationskonzept stellt die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde etc.) in den Mittelpunkt. Krav Maga ist ursprünglich eine einfache Selbstverteidigungstechnik, die beispielsweise die israelische Armee lehrt. Die Zielsetzung der Malteser und Krav Maga Defcon besteht darin, Rettungsfachpersonal effektive, juristisch einwandfreie und einfache Methoden an die Hand zu geben, um sich gegen Gewalt (sei es verbal oder non-verbal) behaupten zu können.

 


Pressemeldungen zum Thema

20.01.2012 - Landesweit einheitliche Deeskalationsausbildung im Rettungsdienst

Malteser und Krav Maga Defcon haben Rahmenvertrag abgeschlossen

Köln, 20. Januar 2012: Der Malteser Hilfsdienst e.V. in NRW hat mit Krav Maga Defcon (Villingen-Schwenningen) einen Rahmenvertrag zur Durchführung von Deeskalations- und Sicherheitstrainings für sein Rettungsfachpersonal abgeschlossen. Nach einer erfolgreichen Pilotphase im vergangenen Jahr, in der an fünf Standorten in NRW 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult wurden, sollen jetzt alle Malteser-Rettungsdienstmitarbeiter diese Ausbildung durchlaufen. Angeboten werden die Trainings über die drei Malteser-Rettungsdienstschulen in NRW (Aachen, Bonn und Dortmund) sowie standortnah in eintägigen Inhouse-Seminaren. Krav Maga Defcon ist ein bundesweit tätiger Verband, der bereits umfangreiche Erfahrungen in der Schulung von Sicherheitskonzepten aufweisen kann.

Rettungskräfte werden bei ihren Einsätzen immer häufiger behindert. Beschimpfungen und Rangeleien erleben die Sanitäter sehr häufig. Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen gefährden die oftmals lebensrettende Arbeit. Das sind die Ergebnisse einer Befragung der Ruhr-Universität Bochum, die die Malteser in Nordrhein-Westfalen 2010 in Auftrag gegeben haben. Gewalt- und Angsterfahrungen im Rettungsdienst bedeuten psychologisch den Verlust von Handlungskontrolle. Entsprechend wurden von den Rettungskräften in der Befragung bevorzugt präventive Maßnahmen gewünscht, die dazu dienen, die bedrohte Handlungskontrolle wiederherzustellen, beispielsweise durch Deeskalationstrainings.

Das Krav Maga Defcon Deeskalationskonzept stellt die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde etc.) in den Mittelpunkt. Krav Maga ist ursprünglich eine einfache Selbstverteidigungstechnik, die beispielsweise die israelische Armee lehrt. Die Zielsetzung der Malteser und Krav Maga Defcon besteht darin, Rettungsfachpersonal effektive, juristisch einwandfreie und einfache Methoden an die Hand zu geben, um sich gegen Gewalt (sei es verbal oder non-verbal) behaupten zu können.

Eigenschutz steht im Rettungseinsatz an erster Stelle. Deshalb müssen die Retter wissen, wie sie sich mit einfachen Mitteln schützen können. Bereits mit wenigen Basistechniken verbessert beispielsweise der Rettungsdienstler die Chance, einen Angriff unbeschadet zu überstehen. Die Malteser und Krav Maga Defcon wollen niemanden zum Kämpfer ausbilden, und Rückzug ist noch immer die beste Lösung.

Inhalte des Schulungskonzeptes sind daher rechtliche Aspekte, Notwehr- und Nothilfevorschriften, Kommunikation und Körpersprache, taktisches Verhalten in Konfliktsituationen, Deeskalation, erkennen und vermeiden potentiell gefährlicher Situationen, Teamarbeit bei der Selbstverteidigung, Sicherheit am Arbeitsplatz während der Versorgung und Rettung Verletzter, das Verhalten bei Übergriffen, die Verteidigungsstellung, Befreiungstechniken bei Kontaktangriffen sowie Techniken in Notwehr- und Nothilfesituationen.

Linktipp: www.kravmaga.de

11.07.2011 - Rückzug ist der beste Plan. Aber was tun, wenn nichts mehr geht?

Malteser haben Präventionsprogramm gegen Behinderungen und Angriffe im Rettungsdienst gestartet

Köln/ Dortmund, 11. Juli 2011: Rettungskräfte werden bei ihren Einsätzen immer häufiger behindert. Beschimpfungen und Rangeleien erleben die Sanitäter sehr häufig. Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen gefährden die oftmals lebensrettende Arbeit. Das sind die Ergebnisse einer Befragung der Ruhr-Universität Bochum, die die Malteser in Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr in Auftrag gegeben haben. An der Befragung beteiligten sich 265 Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes aus 21 Rettungswachen in Nordrhein-Westfalen.

Gewalt- und Angsterfahrungen im Rettungsdienst bedeuten psychologisch den Verlust von Handlungskontrolle. Entsprechend wurden von den Rettungskräften in der Befragung bevorzugt präventive Maßnahmen gewünscht, die dazu dienen, die bedrohte Handlungskontrolle wiederherzustellen, beispielsweise durch Deeskalationstrainings. Das erste Deeskalationstraining im Rahmen eines neuen Präventionsprogrammes der Malteser fand jetzt in Dortmund statt. 20 hauptamtliche Mitarbeiter des Rettungsdienstes aus Dortmund, Schwerte, Gütersloh und Paderborn nahmen an diesem Pilotseminar teil.

Das Konzept des Deeskalationstrainings stellt die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde etc.) in den Mittelpunkt. Die Malteser in NRW haben in Zusammenarbeit mit der Organisation Krav Maga Defcon dieses Pilotseminar durchgeführt. Krav Maga ist die Selbstverteidigungstechnik, die beispielsweise die israelische Armee lehrt. Die Zielsetzung besteht darin, Rettungsfachpersonal effektive, einfache Methoden an die Hand zu geben, um sich gegen Gewalt (sei es verbal oder nonverbal) behaupten zu können. Die juristisch einwandfreie Anwendung dieser Methoden hängt von der Verhältnismäßigkeit der Verteidigungsmethoden in bestimmten Angriffssituationen ab (Werden Waffen benutzt? Ist das eigene Leben in Gefahr? usw.). Die Verhältnismäßigkeit wird durch den Gesetzgeber festgelegt.

Fünf Trainer unter Anleitung von Selbstverteidigungsexperte und Buchautor Armin Berberich konfrontierten die Rettungsdienstler mit ganz unterschiedlichen Situationen, wie sie jeden Tag im Rettungsdienst vorkommen können. Normalerweise bitten die Rettungsdienstmitarbeiter, wenn die Lage unklar ist oder etwas schief läuft, die Polizei um Hilfe. "Eigenschutz steht im Einsatz an erster Stelle", so Malteser-Geschäftsführer Siegfried Krix. Deshalb sollten die Retter wissen, wie man sich mit einfachen Mitteln schützen kann. Rückzug sei immer der beste Plan. Aber was tun, wenn nichts mehr geht?

Armin Berberich von Krav Maga Defcon stellte zu Beginn des Seminars klar: "Bereits mit wenigen Basistechniken verbessert der Rettungsdienstler die Chance, einen Angriff unbeschadet zu überstehen". Berberich und sein Team wollten niemanden zum Kämpfer ausbilden, und Rückzug sei noch immer die beste Lösung. Doch es gebe Situationen, aus denen man nicht einfach herauskomme." "Es geht in erster Linie um Deeskalation: Das muss auch in der Körpersprache, der Handhaltung und dem Auftreten zum Ausdruck kommen." Distanz halten sei das A und O.

Die Rettungsdienstmitarbeiter durchlebten an diesem Tag in Dortmund ein Wechselbad der Gefühle: Sie wollen helfen, müssen aber, wenn sie selber in Gefahr sind, einen Menschen anschreien, um sich selbst zu schützen. Und wenn alles nichts wirkt? "Dann muss man wissen, wie man sich wehrt und wie man beispielsweise einen Schlag oder eine Umklammerung abwehren kann", so der Trainer. Einer Ausstattung der Retter mit beispielsweise Pfefferspray zur Abwehr von Angreiffern erteilte Berberich eine klare Absage."Waffen oder ähnliches haben im Rettungsdienst nichts verloren und die Wirkung ist sowieso zweifelhaft".

Am Ende des ungewöhnlichen Seminartages waren sich die Malteser einig: "Es sind Erfahrungen, die uns bei Bedrohungen mehr Sicherheit geben.", unterstreicht Krix. Denn die Selbstverteidigungstechniken bauen natürliche Schutzzreflexe in die Abwehr ein. "Das passt auch zu den Maltesern, denn wir wollen uns nicht schlagen, sondern helfen."

Wegen des Pilotcharakters wird im Nachgang zu der durchgeführten Veranstaltung eine Auswertung zu einem möglichen kontinuierlichen Angebot des Seminars erfolgen. Dazu war auch Dr. Wolfgang Heinemann von der Ruhr-Universität Bochum nach Dortmund gekommen. Der Verfasser der Rettungsdienstbefragung wird auch weiterhin das Präventionsprogramm der Malteser verfolgen und begleiten. Im August und September werden zwei weitere Pilotseminare in Aachen folgen. Doch das Seminar in Dortmund hat bereits gezeigt, dass es bei den Rettungsdienstmitarbeitern sehr gut angekommen ist. "Das ist der richtige Weg", lobt beispielsweise Rettungsassistent Markus Bartel aus Dortmund dieses Deeskalationstraining. Bartel wurde selbst vor drei Jahren Opfer eines tätlichen Angriffs im Rettungsdienst und hat schon viel Zeit und Energie eingesetzt, auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Inhalte des Seminars waren zunächst im Theorieteil rechtliche Anmerkungen, Notwehr- und Nothilfevorschriften, Kommunikation und Körpersprache, taktisches Verhalten in Konfliktsituationen, Deeskalation, erkennen und vermeiden potentiell gefährlicher Situationen, Teamarbeit bei der Selbstverteidigung, Sicherheit am Arbeitsplatz während der Versorgung und Rettung Verletzter. Im Rollentraining ging es schließlich in die Praxis. Verhalten bei Übergriffen, Verteidigungsstellung, Befreiungstechniken bei Kontaktangriffen und Techniken in Notwehr- und Nothilfesituationen wurden zunächst demonstriert und dann in der Gruppe geübt.

22.02.2011 - Immer häufiger Behinderungen und Angriffe bei Rettungseinsätzen

Umfangreiche Befragung unter Malteser-Rettungsfachpersonal in NRW

Köln, 22. Februar 2011: Rettungskräfte müssen sich bei ihren Einsätzen immer häufiger gegen Behinderungen, Pöbeleien und auch plötzliche Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen wehren. Das sind die Ergebnisse einer Studie von Privatdozent Dr. Wolfgang Heinemann von der Ruhr-Universität Bochum, die die Malteser in NRW in Auftrag gegeben haben. An der Befragung beteiligten sich 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienst e.V. aus 21 Rettungswachen in Nordrhein-Westfalen.

Die schwierige Arbeit in sozialen Brennpunkten, am Rande von Demonstrationen, Fußballspielen oder Ausschreitungen sowie das berufliche Miterleben häuslicher Gewalt werde zunehmend auch für die Rettungskräfte zu einer Gefahr. Die Zahlen wären noch nicht repräsentativ, gäben jedoch klare Hinweise auf das Problem. Behinderungen und Beleidigungen werden von den Rettungskräften als Alltagserfahrungen beschrieben. Über 90 Prozent aller Befragten berichteten darüber hinaus, öfter solche Erfahrungen gemacht zu haben. Tätliche Angriffe wären dagegen deutlich seltener. Immerhin geben 63 Prozent aller Befragten an, schon einmal tätlich angegriffen worden zu sein. Sie gehörten damit zu den Erfahrungen, die die meisten Rettungskräfte im Lauf ihrer Berufstätigkeit machen müssten. Ferner zeigten sich deutliche regionale Unterschiede: Angriffe wären besonders ein Problem der Großstädte. Unabhängig von der eigenen Betroffenheit würde Gewalt gegen Rettungskräfte mit großer Mehrheit als wichtiges Problem angesehen, der vorherrschende Eindruck sei, dass sowohl Behinderungen und Beleidigungen als auch tätliche Angriffe in den vergangenen drei Jahren zugenommen hätten. Die größte Gefahr tätlicher Angriffe ginge dabei vom Patienten aus. Bedrohungen gingen dagegen in der Regel vom Umfeld des Patienten oder von anderen Beteiligten aus, Angriffe wären hier eher selten.

Auch wenn es bei der Bedrohung durch Beteiligte selten zu Angriffen käme, wären solche Erfahrungen nicht zu unterschätzen. Sie würden intensive Angst und erlebte Hilflosigkeit unter den Rettungskräften hervorrufen und könnten langfristige Belastungen zur Folge haben. Diese Situationen werden laut der Befragung fast ausschließlich aus dem Ballungsräumen berichtet.

Auffällig, so Dr. Heinemann, sei, dass nach den Ergebnissen auch ein "fremdartiges" soziales Umfeld des Patienten als bedrohlich empfunden würde. Personen russischer/osteuropäischer Herkunft oder mit türkischem/arabischen/muslimischen Hintergrund würden mit hoher Übereinstimmung von den Befragten als Problemgruppe genannt, ohne dass die Probleme mit bestimmten Situationen verbunden werden könnten. Es wäre vermutlich zu kurz gegriffen, so Dr. Heinemann weiter, dieses Unbehagen gegenüber Ausländern allein auf Vorurteile zurückzuführen. Seine Vermutung ist, dass die Bedingungen eines Rettungseinsatzes in der Regel schnelles und intensives Eingreifen beim Patienten verlangen und wenig Raum für die Kommunikation mit Angehörigen oder Freunden ließen. Wenn sich die Rettungskräfte und Angehörige oder Freunde gegenseitig fremd wären, wachse damit die Gefahr gegenseitigen Missverstehens. Das Patientenumfeld würde dadurch ebenfalls "unberechenbar".

Gewalt- und Angsterfahrungen im Rettungsdienst hätten, psychologisch gesehen, mit dem Verlust von Handlungskontrolle zu tun. Der Rettungsdienstler sei der Gefahr unvorhersehbarer Angriffen schutzlos ausgeliefert. Das betreffe die reale Gefahr eines Angriffs durch bewusstseinsveränderte unberechenbare Patienten, aber auch die Bedrohung durch ein unberechenbares (z. B. fremdes oder alkoholisiertes) Patientenumfeld oder die Situation, als Unbeteiligter in Schlägereien oder ähnliche Situationen hineinzugeraten. Demgemäß wurden von den befragten Rettungsdienstlern bevorzugt Maßnahmen gewünscht, die dazu dienten, die bedrohte Handlungskontrolle wiederherzustellen, beispielsweise Selbstverteidigung bei tätlichen Angriffen oder Deeskalationstrainings. Fortbildungen und Trainings, empfiehlt Dr. Heinemann, sollten dabei auf die typischen Gefahrensituationen zugeschnitten werden. Gegen Angriffe durch bewusstseinsveränderte Patienten als größte Gefahr könnten Deeskalationstrainings aber kaum schützen. Für diese Situation wären Schulungen in körperschonenden Selbstverteidigungstechniken angezeigt. Auch eine persönliche Schutzausrüstung und das Wissen, was in Notwehrsituationen erlaubt sei und was nicht, wäre hilfreich.

Problematisch scheint, dass der Wunsch nach persönlicher Schutzausrüstung zum Teil mit dem Wunsch nach Selbstverteidigungswaffen, strengeren Gesetzen und härterer Bestrafung gekoppelt sei. Hier scheinen sich die Rollen von Rettungsdienst und Ordnungsbehörden zu vermischen. Die Einführung von Schutzausrüstung sollte deshalb ganz deutlich mit der Diskussion des Rollenverständnisses im Rettungsdienst verbunden werden. Der Rettungsdienst sei keine Hilfspolizei, unterstreicht Dr. Heinemann.

Beim Deeskalationstraining empfiehlt der Psychologe, noch stärker als bislang in der Ausbildung die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde etc.) in den Mittelpunkt zu stellen und konkret zu üben. In diesem Zusammenhang sollten die besonderen Schwierigkeiten und das Unbehagen im Umgang mit einem "fremdartigen" Patientenumfeld thematisiert werden. Mittelfristig wäre ein höherer Anteil von Rettungskräften mit entsprechendem Migrationshintergrund hilfreich, für die das Umfeld nicht fremdartig wäre.


Pressebilder (Fotos: Kai Vogelmann, Malteser / Abdruck honorarfrei)

 

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Weitere Informationen

Kooperation

Wir arbeiten im Rettungsdienst mit KRAV MAGA DEFCON® zusammen.

KRAV MAGA DEFCON® verzichtet auf artistische Elemente und schöne Techniken. Die Basis des Systems bilden natürliche, bei jedem bereits vorhandene Reflexe. Diese müssen nicht erst langwierig eintrainiert werden und sind auch unter extremem psychischem Druck schnell abrufbar.

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Kai Vogelmann
Leiter Presse & Kommunikation NRW
Tel. (0221) 6909-3902
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