951 Notrufe an Weihnachten, aber nur 88 Notfälle

Seniorin drückt den Alarmknopf.
Nicht immer ist ein Sturz Auslöser eines Alarms beim Malteser Hausnotruf. Wer einsam ist, drückt auch schon mal, um mit jemandem zu sprechen. (Foto: Malteser)

Köln. An Heiligabend beginnt für viele Senioren eine einsame Zeit. Von Weihnachten und bis Neujahr gehen beim Malteser Hausnotruf viele soziale Notrufe ein, bei denen kein medizinischer Notfall vorliegt - Signal der Einsamkeit alter Menschen.

Über 120.000 Senioren sind Kunden des Malteser Hausnotrufs. Eigentlich sollten sie nur Alarm auslösen, wenn ihnen etwas passiert ist. Rund eine Million Alarme gibt es bundesweit pro Jahr, etwa 250.000 davon bei den über  30.000 Kunden in Nordrhein-Westfalen. „Nur bei jedem zehnten bis zwanzigsten Alarm liegt ein medizinischer Notfall vor, bei dem wir dann schnell den Rettungswagen losschicken“, sagt Ruth Horn-Busch, Leiterin Hausnotruf der Malteser in Nordrhein-Westfalen. In zwei von zehn Fällen führe ein Malteser zur Wohnung, kümmere sich vor Ort um die Menschen, z. B. nach Stürzen, oder die Malteser riefen einen Nachbarn an.
 
Heiligabend 2019 gab es beim Malteser Hausnotruf in Nordrhein-Westfalen 375 Mal Alarm. Am 1. Weihnachtstag leuchtete die rote Lampe 275 Mal und am 2. Weihnachtstag 301 Mal. Der Rettungswagen rückte aber insgesamt nur 88 Mal aus. In 220 Fällen kümmerte sich ein Malteser vom Hintergrunddienst um den älteren Menschen. Unter den verbleibenden 643 Auslösungen waren dieses Jahr besonders viele soziale Hilferufe. 
 
Ruth Horn-Busch: „Sehr viele Alarm-Auslösungen sind soziale Rufe oder Fehlalarme, bei denen sich dann im Gespräch mit unseren Mitarbeitern herausstellt, dass die Senioren eigentlich nur mal mit jemanden sprechen wollen. Sie begründen dann irgendwie, warum sie den roten Knopf gedrückt haben.“ Das sei etwa bei jedem fünften Alarm so. An Weihnachten und um den Jahreswechsel geschehe das besonders häufig. „Die Senioren sagen dann z.B. Ich bin versehentlich an den roten Knopf gekommen. Oder:  Ich bin heute so durcheinander. Heute Morgen ist mein Hund gestorben“, berichtet Ruth Horn-Busch.

Im vergangenen Jahr notierte der Malteser Hausnotruf in Nordrhein-Westfalen über die Weihnachtstage 823 Notruf-Alarme. Davon waren 79 medizinische Notfälle. 206 Mal kümmerte sich ein Malteser vom Hintergrunddienst um den Anrufer. Unter den 538 weiteren Alarmen gab es ebenfalls viele soziale Hilferufe.
 
Informationen zum Malteser Hausnotruf unter: https://www.malteser.de/hausnotruf.html