Köln/NRW. Ein Mensch bricht auf dem Bahnsteig zusammen, ein Kind verletzt sich beim Spielen, auf einer Reise fehlt plötzlich schnelle medizinische Hilfe: Notfälle halten sich weder an Orte noch an Lebensläufe. Zum Internationalen Tag der Ersten Hilfe am 12. September erinnern die Malteser NRW deshalb daran, wie entscheidend die ersten Minuten sein können und wie einfach Helfen beginnt: hinschauen, den Notruf 112 wählen und das tun, was man gelernt hat. Nur, wer im Notfall nichts tut, handelt falsch.
Erste Hilfe im Migrationskontext
Der diesjährige Aktionstag steht international unter dem Motto „Erste Hilfe im Migrationskontext“. Weltweit sind Millionen Menschen, freiwillig oder weil Gewalt, Krisen und Katastrophen sie zur Flucht zwingen, unterwegs. Auf ihren Wegen können Hitze, Kälte, Erschöpfung, Verletzungen oder fehlende medizinische Versorgung rasch lebensbedrohlich werden. Sprachbarrieren, Unsicherheit und Angst erschweren den Zugang zu Hilfe zusätzlich. Erste-Hilfe-Kenntnisse schaffen hier Handlungssicherheit: Sie helfen, eine Notlage zu erkennen, unmittelbar zu unterstützen und professionelle Hilfe zu organisieren.
Für die Malteser ist das mehr als ein Jahresthema. Als katholische Hilfsorganisation helfen sie Menschen in Not unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung. Erste Hilfe ist dabei gelebte Nächstenliebe: Sie schützt Würde, überwindet Distanz und macht aus Zuschauenden Helfende.
NRW-Tag zeigte: Menschen wollen helfen
Wie groß die Bereitschaft dazu ist, haben die Malteser NRW erst Ende August beim Nordrhein-Westfalen-Tag in Münster erlebt. Mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher beteiligten sich an einer Reanimations-Challenge und praktizierten an Übungspuppen gemeinsam 131.910 geeignete Herzdruckmassagen – deutlich mehr als das ursprüngliche Ziel von 100.000. Die Aktion machte sichtbar, was im Ernstfall zählt: prüfen, rufen, drücken. Zugleich wurden sechs Blaulichttage für Kinder- und Jugendgruppen in Nordrhein-Westfalen erspielt.
„Die Resonanz zeigt, dass Menschen Verantwortung übernehmen wollen, wenn sie die Gelegenheit bekommen, lebensrettende Handgriffe praktisch auszuprobieren“, betonen die Malteser NRW. „Aus einem kurzen Training kann im entscheidenden Moment der Mut entstehen, nicht wegzusehen, sondern zu handeln.“
Untätig zu bleiben, ist der größte Fehler
Viele Menschen fürchten, in einer Notsituation etwas falsch zu machen. Doch schon wenige Schritte helfen: die eigene Sicherheit beachten, Betroffene ansprechen, die Lage prüfen und den Notruf 112 absetzen. Ist eine Person bewusstlos und atmet nicht normal, sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Der Brustkorb wird fünf bis sechs Zentimeter tief und in einem Rhythmus von 100 bis 120 Beats pro Minute dabei kräftig und ohne längere Unterbrechungen gedrückt, bis der Rettungsdienst übernimmt. Als Takthilfe kann man sich dabei hilfreiche Songs, wie Stayin` alive von den Bee Gees, Highway to hell von ACDC oder Atemlos von Helene Fischer merken. Die Leitstelle begleitet Ersthelfende am Telefon.
Damit die Handgriffe auch unter Stress abrufbar bleiben, empfehlen die Malteser, Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. In Nordrhein-Westfalen bilden sie jährlich rund 100.000 Menschen aus und fort. Das Angebot reicht vom klassischen Kurs für Führerschein und Betrieb über Kindernotfälle bis zu kompakten Wiederbelebungstrainings. Im Mittelpunkt stehen praktische Übungen und die Erfahrung: Leben retten ist lernbar.
Helfen verbindet
Der Welt-Erste-Hilfe-Tag erinnert daran, dass Hilfe keine gemeinsame Sprache voraussetzt. Oft genügen Aufmerksamkeit, ein Notruf und beherztes Handeln. Wer heute trainiert, kann morgen für einen Angehörigen, eine Kollegin, einen Nachbarn oder einen unbekannten Menschen zum entscheidenden Glied der Rettungskette werden. Der Appell der Malteser NRW lautet deshalb: Wissen auffrischen, Berührungsängste abbauen und im Ernstfall anfangen – denn jede Hilfe zählt.
Infos unter www.malteser-kurse.de