Köln. Wie frage ich nach dem Weg? Wo finde ich Unterstützung? Und wie bewege ich mich sicher durch einen noch fremden Alltag? Erstorientierungskurse (EOK) geben Schutzsuchenden darauf praktische Antworten. Seit 2017 bieten die Malteser NRW derartige Kurse an. Derzeit bestehen zwölf Angebote, davon sieben kommunale Kurse und fünf in Unterkünften. Jetzt erweitert die nordrhein-westfälische Landes- und Regionalgeschäftsstelle der katholischen Hilfsorganisation ihr Angebot um ein dreizehntes, neues, zielgruppenspezifisches Format: Zum ersten Mal beginnt in Köln ein Erstorientierungskurs, der einen besonders vertraulichen Rahmen für geflüchtete Menschen der LGBTQ-Community schafft, denen der Zugang zu regulären Lernangeboten häufig schwerfällt.
Bewährtes EOK-Konzept
Der Kurs folgt grundsätzlich dem bewährten EOK-Konzept und dem Curriculum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Im Mittelpunkt stehen nicht Prüfungen oder ein bestimmtes Sprachniveau, sondern Deutsch als unmittelbares Handlungswerkzeug. Alltagssituationen, gesellschaftliche Orientierung und erste sprachliche Schritte sollen den Teilnehmenden mehr Sicherheit und Selbstständigkeit geben. Der Kurs ist kostenlos, praxisnah und deutlich weniger leistungsorientiert als ein Integrationskurs. Damit eröffnet er auch Menschen einen Zugang, für die reguläre Sprach- und Integrationsangebote mit ihren festen Lernzielen und Prüfungen eine zu hohe Hürde darstellen. Aufnahmeprüfungen oder besondere Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht; auch nach dem Start bleibt ein Einstieg möglich.
Geschützter Rahmen
Gerade für queere Geflüchtete kann ein eigenes Angebot entscheidend sein. In gemischten Kursen fühlen sich manche möglicherweise nicht sicher genug, um offen über ihre Lebenssituation zu sprechen oder Fragen zu Diskriminierung, Gesundheit und geeigneten Beratungsstellen zu stellen. Der neue Kurs schafft dafür einen geschützten Rahmen. Dass ein solches Angebot bislang fehlt, obwohl die LGBTQ-Community in Köln stark vertreten ist, war für die Malteser ein wesentlicher Anlass, das Format gemeinsam mit spezialisierten Netzwerken auf den Weg zu bringen.
Bundesamt begrüßt besondere Angebote
Das BAMF setzt den Rahmen für die Erstorientierungskurse: Es gibt das Curriculum und die Förderbedingungen vor und begrüßt ausdrücklich besondere Angebote für vulnerable Gruppen, wie etwa für Frauen, ältere Menschen oder LGBTQ-Personen. In der Praxis werden solche zielgruppenspezifischen Kurse bislang jedoch kaum umgesetzt. Nach Einschätzung von Malteser Projektleiter Dr. Arnd Hoffmann gehört der Kölner Kurs deshalb zu den ersten Angeboten dieser Art in Nordrhein-Westfalen und möglicherweise auch bundesweit.
Besondere Sensibilität der Lehrkraft
Das Besondere liegt in der Umsetzung. Ansprache und Gewinnung der Teilnehmenden erfolgen über spezialisierte Kölner Beratungs- und Netzwerkstellen, wie Rubikon, SOFRA – Queer Migrants e.V. und die Kommunalverwaltung. Auch die Auswahl und Vorbereitung der Lehrkraft verlangt besondere Sensibilität. Die neue Dozentin, Haifaa Baagil, bringt Erfahrung im interkulturellen Lehren und Lernen mit. Vor dem Start hospitierte sie außerdem in bestehenden Kursen und durchlief den intensiven Onboarding-Prozess der Malteser. „Wir wollen den Kurs dauerhaft etablieren“, sagt Projektleiter Dr. Arnd Hoffmann. Rund zehn Anmeldungen liegen bereits vor. Entscheidend sei nun, dass das Angebot die Menschen erreiche, für die ein geschützter Lernraum besonders wichtig ist. Infos unter: https://www.malteser-in-nrw.de/erstorientierungskurse-fuer-schutzsuchende.html